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Landschaft Welle
28.09.2017

»Wenn die Wunde verheilt ist, schmerzt die Narbe«

Fachvortrag über Frühkindliche Traumatisierung anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Frauenhauses Calw

In diesem Jahr begeht der Verein „Frauen helfen Frauen e.V.“ das 25-jährige Bestehen seines Frauenhauses im Landkreis Calw mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen. Aus diesem Anlass fand kürzlich in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Calw im Großen Sitzungssaal des Calwer Landratsamts ein Fachvortrag zum Thema Frühkindliche Traumatisierung und Folgeschäden statt, der bei rund 200 interessierten Sozialarbeitern, Vereinsaktiven und Ehrenamtlichen auf großes Interesse gestoßen ist.

Der Verein Frauen helfen Frauen e.V. hat hierzu den Diplom-Sozialpädagogen sowie Paar- und Familientherapeuten Alexander Korittko eingeladen. Er übernahm nach einer Begrüßung durch Sozialdezernent Norbert Weiser das Wort und referierte vor dem interessierten Fachpublikum über die Entstehung von Traumata bei Kindern durch psychische und physische Gewalt. Der Experte ging auch darauf ein, welche Auswirkungen direkte Gewalt, Zeugenschaft oder Vernachlässigung auf das Verhalten von Kindern hat. Anschließend zeigte er verschiedene Therapieansätze auf, wie die Traumata aufgearbeitet werden können und gab Empfehlungen zum Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern.

Das Thema des Vortrags „Wenn die Wunde verheilt ist, schmerzt die Narbe“ wird auf den ersten Blick nicht gleich mit dem Frauenhaus in Verbindung gebracht, ist aber für alle mit dieser Thematik befassten Fachkräfte von großer Bedeutung. Im Anschluss bestand die Möglichkeit, Fragen an Alexander Korittko zu stellen, der bereitwillig Tipps und Anregungen für die alltägliche Arbeit mit traumatisierten Kindern gab, um ihnen den Weg zurück in ein normales Leben zu erleichtern.

Weitere Infos hierzu sind auf der Homepage des Frauenhauses Calw www.frauenhaus-calw.de, unter der Telefonnummer 07051 78281 oder per E-Mail an info@frauenhaus-calw.de verfügbar.

Hintergrund:
In den letzten 25 Jahren lebten 1357 Frauen und 2178 Kinder im Frauenhaus Calw, denen Schutz und Unterkunft, Beratung und Unterstützung zuteilwurde. Dadurch wurde ihnen die Möglichkeit gegeben, eine gewaltfreie Zukunft zu beginnen. Das autonome Frauenhaus ist konfessionell und parteipolitisch ungebunden. Die sozialpädagogische Arbeit orientiert sich an den Grundsätzen feministischen und antirassistischen Denkens und Handelns. Das Frauenhaus Calw ist ein Ort von Frauen für Frauen. Frauen und Kinder werden nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe" gestärkt. Der Verein Frauen helfen Frauen e.V. setzt sich dafür ein, Gewalt gegen Frauen, Mädchen und Jungen zu einem öffentlichen Thema zu machen sowie die strukturelle und direkte Gewalt und die Unterdrückung von Frauen abzuschaffen. Es ist bedauerlich, dass es diesen Schutzraum überhaupt geben muss. Umso mehr ist es zu würdigen, dass engagierte Frauen hauptberuflich oder mit großem ehrenamtlichen Engagement diesen Schutzraum bieten und Frauen und deren Kinder auf dem Weg in ein gewaltfreies Leben begleiten.