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Landschaft Welle
13.04.2018

Aufsichtsrat der Kreiskliniken stimmt mit großer Mehrheit für Fortschreibung der Medizinkonzeption

Neurologie mit Stroke Unit wird nach Nagold verlagert – Orthopädie verbleibt in Calw

In einer Sondersitzung hat der Aufsichtsrat der Kreiskliniken Calw in dieser Woche mit großer Mehrheit der Fortschreibung der Medizinkonzeption aus dem Jahr 2015 zugestimmt. Als wesentliche Änderung zur bisherigen Konzeption wurde die Verlagerung der Neurologie inklusive Stroke Unit (Schlaganfalleinheit) an das Schwerpunktkrankenhaus nach Nagold und der Verbleib der Orthopädischen Klinik am Krankenhaus Calw beschlossen.

Die Fortschreibung ist eine Reaktion auf veränderte Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen. Der Aufsichtsrat hat sich in seiner Sitzung nochmals eindeutig für den Erhalt beider Kliniken im Kreis Calw ausgesprochen. So ist auch weiterhin eine wohnortnahe medizinische Versorgung der Bevölkerung gewährleistet. Vorbehaltlich der Zustimmung des Kreistags in seiner Sitzung am 23. April und des Sozialministeriums, können die Planungen für die Generalsanierung der Kliniken Nagold und den Klinikneubau auf dem Stammheimer Feld in Calw mit dem angeschlossenen Gesundheitscampus fortgeführt werden.

„Ein Konzept an veränderte Gegebenheiten anzupassen um zukunftsfähig zu bleiben, ist nur konsequent“, macht Aufsichtsratsvorsitzender Helmut Riegger deutlich. „Die Medizinkonzeption generell in Abrede zu stellen oder weiter auf Zeit zu spielen, schadet hingegen dem Gesamtprojekt zur Neuaufstellung der stationären medizinischen Versorgung im Landkreis Calw.“

Der medizinische Geschäftsführer des Klinikverbunds Südwest, Jörg Noetzel, erläutert den Hintergrund der Anpassung: „Die Rahmenbedingungen für die Krankenhäuser haben sich massiv verschärft. Mindestmengen, Qualitätsvorgaben, Mindestbesetzungen und Fachkräftemangel sind die wesentlichen Herausforderungen, die mindestens so schwer wiegen wie ökonomische Fragestellungen und uns auch noch in Zukunft beschäftigen werden. Von daher ist es wichtig, die bestehenden Angebote so zu sortieren, dass beide Häuser neben der wohnortnahen Notfallversorgung auch ein profiliertes Spektrum anbieten.“

Die angepasste Medizinkonzeption sieht vor, dass die Neurologische Klinik inklusive Stroke Unit an den Standort Nagold verlagert wird. Das breite internistische Spektrum mit Kardiologie, Gastroenterologie mit onkologischer Tagesklinik sowie die Allgemein- und Viszeralchirurgie und Urologie bleiben erhalten. Das unfallchirurgische Angebot wird erweitert.

Im Krankenhaus Calw soll es neben dem neuen Gesundheitscampus auch zukünftig eine starke Orthopädie mit Basis-Unfallchirurgie sowie eine Basis-Bauchchirurgie geben. Die vorhandene Innere Medizin/Kardiologie mit 24-Stunden-Notfall-Herzkatheterversorgung soll um geriatrische Angebote ergänzt und erweitert werden. Weiterhin sind neben einem neurologischen Dienst unter anderem zusätzliche Schmerzbetten geplant. Die bereits seit dem Jahr 2015 bestehende Hauptabteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie ist weiterhin im stationären Angebot enthalten.

An beiden Standorten wird auch künftig eine Intensivstation und Notaufnahme sowie eine OP-Bereitschaft rund um die Uhr vorgehalten.

Durch die Einbettung des Neubaus der Kliniken Calw in den geplanten Gesundheitscampus mit einer Klinik für Psychosomatik (30 Betten) und psychiatrischer Tagesklinik (12 Plätze), einem ambulanten Dialysezentrum (25 Behandlungsplätze) sowie dem Haus der Gesundheit mit Praxen, Pflegediensten und AOK-Einrichtungen ergeben sich ideale Voraussetzungen für die Verzahnung stationärer und ambulanter Angebote.

Mit der Neuordnung der Disziplinen an den beiden Klinikstandorten Calw und Nagold – die noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Kreistags sowie des Sozialministeriums steht – sehen sowohl Riegger als auch Noetzel die stationäre medizinische Versorgung der Bevölkerung im Landkreis Calw für die Zukunft bestens aufgestellt. Der Landkreis hat sich als Träger der Kreiskliniken intensiv mit der medizinischen Situation befasst und ist dazu bereit, in die enorm wichtige medizinische Versorgung langfristig zu investieren.