Direkt zu:
Landschaft Welle
31.10.2019

Die Wärmewende ist machbar

Immer mehr klimafreundliche Wärmenetze zwischen Nordschwarzwald und Bodensee

Viele Jahre lang wurde die Wärme für Warmwasser und Heizung überwiegend durch den Einsatz von Heizöl und Erdgas erzeugt. Doch damit könnte bald Schluss sein: Während die Bundesregierung noch um den Klimaschutz ringt, stellen immer mehr Kommunen im Nordschwarzwald und in angrenzenden Regionen ihre Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien um.

Möglich wird dies durch das Förderkonzept für effiziente Wärmenetze des Umweltministeriums Baden-Württemberg und die Begleitung durch das Bündnis „EnergieRegion“. Die „EnergieRegion“ umfasst Akteure aus den vier Regionalverbänden Nordschwarzwald, Schwarzwald-Baar-Heuberg, Hochrhein-Bodensee und Südlicher Oberrhein. Zum Abschluss der dreijährigen Förderperiode ziehen die Partner eine positive Bilanz und sehen für die Zukunft noch großes Potential für viele weitere Wärmenetze.

Beispielsweise haben sich in mehreren Kommunen der „EnergieRegion“ Bürger zusammengeschlossen, um als Genossenschaft gemeinsam ein Wärmenetz zu betreiben. Andere setzen auf die Kooperation mit bestehenden Betreibern oder bauen ihr Netz in Eigenregie aus.

Im Kreis Calw hat sich die Stadt Altensteig für eine Nahwärmeversorgung entschieden, womit die Kommune eine Pionier- und Vorbildfunktion in der Region einnimmt. Mittlerweile erstreckt sich das gesamte Wärmenetz der Stadtwerke Altensteig auf einer Trassenlänge von über 8,6 Kilometern – mit stetigem Ausbau im Fokus. Selbst die historische Altstadt wird mittlerweile durch ein Wärmenetz versorgt.

„Die Umstellung der Wärmeversorgung auf umweltfreundliche Nahwärme ist gerade für kleinere Kommunen ein großer Schritt“, erklärt Monika Falkenthal von der Gemeinschaft der Energieberater im Landkreis Calw e.V., einem der vielen Partner der „EnergieRegion“. „Im Vorfeld müssen die Gebäudebesitzer vom Anschluss überzeugt, die Finanzierung geklärt und schließlich die Heizzentrale gebaut und durch das ganze Dorf Leitungen verlegt werden“, so Falkenthal. Um die ersten Schritte zu wagen, wurden Kommunen in den vergangenen drei Jahren kostenfrei vom Projekt „EnergieRegion – effiziente Wärmenetze“ beraten. Oft gelang es dabei, die Nahwärme mit dem Glasfaserausbau zu verbinden – für Kommunen im ländlichen Raum ein doppelter Schritt Richtung Zukunftsfähigkeit.

„Häufig sind es ganz einfache Fragen, mit denen wir konfrontiert werden“, berichtet Elias Weigel, Klimaschutzmanager des Landkreises Calw. „Wer kann uns ein Wärmenetz planen?“, „Wo können wir uns ein ähnliches Netz anschauen?“, „Ist eine Genossenschaft oder ein externer Betreiber die richtige Wahl?“ und natürlich: „Lohnt sich so etwas bei uns?“. Wie Weigel weiter ausführt, verfügen viele Kommunen in der Region über große Waldbestände und können statt importiertem Erdöl eigenes Holz zur Wärmeerzeugung verwenden. Und im Sommer könne dann – um die nachwachsenden Holzbestände zu schonen – Sonnenenergie in solarthermischen Anlagen genutzt werden.

Auch vorhandene Abwärme kann sinnvoll eingebunden werden. Denn nicht selten gibt es in der Kommune ein Unternehmen, das seine Abwärme über den Schornstein in die Umwelt abgibt, während in den Wohngebäuden nebenan der Ölkessel läuft. „Wärmenetze können hier auf einen Schlag ein ganzes Dorf klimafreundlich machen“, erläutert Falkenthal. Ein positives Beispiel sei Bonndorf im Schwarzwald (Landkreis Waldshut), wo ein Schinkenhersteller und ein Motorenwerk ganze Ortsteile mit ihrer Abwärme beliefern.

Doch so sinnvoll Wärmenetze aus ökologischer und ökonomischer Perspektive zumeist sind – ein Selbstläufer sind sie nicht. „Vor Ort ist meist viel Aufklärungsarbeit nötig, um die Anwohner von einem Umstieg zu überzeugen“, spiegelt Weigel seine Erfahrungen wider. Die Projektpartner der „EnergieRegion“ haben das frühzeitig erkannt und Bewusstseinsbildung bei den Menschen zu ihrem Schwerpunkt gemacht. Großveranstaltungen sowie zahlreiche Workshops, Vorträge vor Gemeinderäten oder Besuche bei Bürgermeisterversammlungen haben den Weg hierfür bereitet.

So fand in Calw im Frühjahr 2019 eine Informationsveranstaltung zur Regionalen Wärmewende im Landratsamt Calw statt. Den über 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde praxisnah dargestellt, dass der Bereich der Wärmeversorgung bei der Energiewende eine große Rolle spielt und nicht vernachlässigt werden darf. Erst vor einigen Tagen standen die regionalen Akteure zudem auf der Bürgerinformationsveranstaltung zum Quartierskonzept Haiterbach-Beihingen für Fragen zum Thema Nahwärmenetze zur Verfügung.

Der Erfolg dieser Maßnahmen zeigt sich an der Vielzahl der Beratungen, die alleine in den vergangenen drei Jahren in den Regionen nachgefragt wurden. So kamen auch im Landkreis Calw einige Kommunen mit Interesse und Überlegungen in Bezug auf eine Nahwärmeversorgung auf die regionalen Ansprechpartner zu.

Zukünftig soll das Beratungs- und Informationsangebot für Kommunen sowie Bürgerinnen und Bürger weiter intensiviert und erweitert werden, sodass die dringend nötige Wärmewende in der Region weiter vorangetrieben werden kann. Zudem rücken Wärmenetze aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen kommunalen Wärmeplanung wieder in den Fokus der Kommunen. Auch hierbei unterstützt die „EnergieRegion Effiziente Wärmenetze.“

Bei Rückfragen gibt Monika Falkenthal von der Gemeinschaft der Energieberater im Landkreis Calw e.V. unter der Telefonnummer 07051-9686100 bzw. per E-Mail an falkenthal@energieberatung-calw.de gerne Auskunft.

Hintergrundinformation zur „EnergieRegion“

Die „EnergieRegion“ geht auf eine Initiative des Naturparks Südschwarzwald und der Energieagentur Regio Freiburg im Jahr 2009 zurück. Das Bündnis unterstützt Kommunen im ländlichen Raum bei Klimaschutz- und Energiewendeprojekten. Von 2016 bis 2019 wuchs das Netzwerk um Energieagenturen und Partner von Konstanz über Lörrach und die Ortenau, dem Schwarzwald-Baar-Heuberg bis in den Nordschwarzwald und konnte mit Unterstützung des Programms für energieeffiziente Wärmenetze des Landes Baden-Württemberg zahlreiche Kommunen und Initiativen bei der Umstellung der Wärmeversorgung begleiten. Nähere Informationen sind im Internet unter www.energieregion-waermenetze.de abrufbar.