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Landschaft Welle
26.04.2021

Forstwirtschaft bedeutet mehr als Bäume fällen

Bundeswaldinventur erfasst zum vierten Mal Struktur des Waldes

Forstwirtschaft bedeutet vor allem planvolles Arbeiten und Denken in langen Zeiträumen. Auch deshalb ist der Begriff „Nachhaltigkeit“ vor über 300 Jahren im Forstwesen entstanden. Das hängt mit den langen Zeiträumen vom Keimen der Bäume bis zum Erwachsenwerden zusammen. So dauert es 80 bis 160 Jahre, bis Forstleute von Altholz reden. Die einmal getroffene Entscheidung für eine Baumart reicht demzufolge lange in die Zukunft und betrifft damit einige Generationen. Daher ist eine verlässliche und umfassende Datengrundlage für die Entscheidungen in der Forstwirtschaft von großer Bedeutung. Das gilt in Zeiten von Klimaveränderungen und Erderwärmung umso mehr. Die Ergebnisse der Bundeswaldinventur (BWI) kann Waldbesitzerinnen und -besitzern weitere Sicherheit bei der Entscheidungsfindung verschaffen. Als Großrauminventur für ganz Deutschland arbeitet sie mit einem einheitlichen Aufnahmeverfahren. Im Bereich der alten Bundesländer wird sie im Jahr 2022, nach 1986-89, 2002 und 2012 zum vierten Mal durchgeführt. Für die neuen Länder steht die dritte Aufnahme an.

Wie läuft die BWI ab?

Speziell geschulte Zweiertrupps suchen von April bis September 2021 ca. 13.000 Punkte im Wald in einem 2 x 2 Kilometerraster auf und bewerten die jeweiligen Situationen. Aufgenommen werden unter anderem: Baumart, Dimension und Höhe von lebenden und toten Bäumen. Neuerdings werden auch Erbgutproben der häufigsten Baumarten zur Ermittlung der genetischen Vielfalt und Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel entnommen.

Was ist das Ziel der Aufnahmen?

Es werden statistisch abgesicherte Informationen über großräumige Waldverhältnisse und Produktionsmöglichkeiten erstellt.

Welche Schlüsse können aus den Daten gezogen werden?

Die Entwicklung der Baumartenzusammensetzung, der Holzvorrat und die Nutzungsmöglichkeiten der einzelnen Baumarten werden ebenso aufgezeigt wie der Grad der Naturnähe und der Erhalt natürlicher Lebensräume.

Die BWI dient außerdem als Grundlage für bundesweite Modellrechnungen im Bereich Holzaufkommen und Waldentwicklung. So können beispielsweise durch das Absterben einzelner Baumarten Wasser- und Luftqualität oder die Artenzusammensetzung von Lebensgemeinschaften vorhergesagt werden.

Die Bundesländer können sowohl landesweite Auswertungen, als auch Auswertungen auf Ebene der Regierungsbezirke, der Kreise, Wuchsgebiete und Höhenstufen erstellen.

Zuletzt werden die Daten als Grundlage für internationale Berichte herangezogen, z.B. für Informationen nach dem Kyoto-Protokoll oder der Konvention über biologische Diversität.

Ab 2024 können die Ergebnisse erwartet werden. Dann kann auch identifiziert werden, welche Veränderungen sich seit 2012 ergeben haben. Damals wurde festgestellt, dass Deutschlands Holzvorrat geringfügig angewachsen ist. Außerdem konnte der Wald seine Funktion als Rohstoffquelle und vielfältigen Lebensraum sowie seine Schutzfunktionen erfüllen. Damit hat der deutsche Wald ein wichtiges Ziel der Agenda 2030 der Vereinten Nationen erfüllt: Der Wald wird nachhaltig bewirtschaftet. Dafür setzen sich die Forstleute seit über 300 Jahren in Deutschland ein.

Für Fragen der Waldbewirtschaftung stehen Ihnen die örtlichen Revierförsterinnen und -förster sowie die Abteilung Forstbetrieb und Jagd im Landratsamt Calw unter 07051 160-681 zur Verfügung.

Bildunterschrift: Bei der Bundeswaldinventur wird die Struktur des Waldes genau erfasst.

Bildquelle: Ziegler, Landratsamt Calw

Hintergrundinformation

Datenerhebung beginnt im April 2021

Die Bundeswaldinventur (BWI) findet bundesweit im zehnjährigen Turnus statt. In Baden-Württemberg ist es die vierte Erhebung, deutschlandweit die dritte, da nach der Wiedervereinigung die erste gemeinsame BWI in den Jahren 2001/02 durchgeführt worden ist. Im alten Bundesgebiet erfolgte die BWI erstmals in den Jahren 1986 bis 1989.  Nach der zweiten BWI zum Stichjahr 2002 und der dritten zum Stichjahr 2012 läuft in diesem und im nächsten Jahr die Datenerhebung für die BWI 2022.

Die Bundeswaldinventur ist eine im Bundeswaldgesetz (§ 41 a) verankerte Großrauminventur und wird nach einem bundeseinheitlichen Datenerfassungsprotokoll als gemeinsame Aufgabe von Bund- und Ländern durchgeführt.

Sie ist ein wesentliches Kontroll- und Monitoring-Instrument und liefert die Datenbasis für Entscheidungen von Politik und Wirtschaft. Wichtige Fragen sind zum Beispiel: Wie entwickelt sich der Wald, seine Baumartenzusammensetzung und der Holzvorrat? Wie viel Holz wird geerntet und kann im Rahmen einer nachhaltigen Waldwirtschaft genutzt werden? Auch ökologische Größen wie Naturnähe und Totholzvorräte werden erfasst. Neu bei der BWI 2022 ist die zusätzliche Entnahme von DNA-Proben an den wichtigsten Baumarten auf einer Unterstichprobe, um Erkenntnisse über die genetische Vielfalt und zu Anpassungsprozessen der Wälder im Klimawandel zu gewinnen. Die Daten der BWI bilden außerdem eine wichtige Grundlage für die Erfüllung internationaler Berichtspflichten wie dem Kyoto-Protokoll und der Klimarahmenkonvention. Weiterführende, detaillierte Informationen zur BWI finden sich unter www.bundeswaldinventur.de und unter https://www.fva-bw.de/daten-und-tools/monitoring/bundeswaldinventur.