Direkt zu:
Landschaft Welle
09.04.2019

Plädoyer für die Holzbaukultur im Nordschwarzwald

Neues Handbuch vorgestellt – LEADER-Projekt findet großen Anklang bei Präsentation in Bad Wildbad

Baukultur im Nordschwarzwald – Was macht sie aus? Welche Rolle spielt der Rohstoff Holz? Welche Identifikationsmerkmale lassen sich ableiten? Wie lassen sich diese modern interpretieren? Was hat Holzbaukultur mit regionaler Identität zu tun? Und wie profitiert der Tourismus? Diesen und weiteren Themen widmet sich das Handbuch „HOLZBAUKULTUR NORDSCHWARZWALD”, welches im Rahmen des Regionalentwicklungsprogramms LEADER erarbeitet und jetzt im Forum Königs-Karls-Bad in Bad Wildbad einem breiten Publikum vorgestellt wurde.

Dajana Greger, Geschäftsführerin der LEADER-Aktionsgruppe Nordschwarzwald, begrüßte die zahlreich erschienen Gäste im Namen aller Projektpartner (LEADER- Aktionsgruppe Nordschwarzwald, die beiden Landkreise Calw und Freudenstadt, die Architektenkammer Baden-Württemberg und deren Kammergruppe Nordschwarzwald, die beiden Pilotkommunen Bad Wildbad und Baiersbronn, die Zimmerer- und Schreiner-Innungen beider Landkreise sowie die Schwarzwald Tourismus GmbH). Sie dankte allen, die ihre Häuser als Beispielprojekte für das Handbuch zur Verfügung gestellt, das Projekt unterstützt und sich mit ihrem Fachwissen eingebracht haben.

Greger verwies in ihrem Grußwort auch auf die Verwurzelung der Holzbaukultur in der Region und den Bezug zur Kultur und zum Tourismus. Sie machte deutlich, dass das Handbuch eine Handreichung sein soll für Planer, Architekten, Bauherren, regionale Entscheider und alle, denen regionale Identität und Authentizität ein wichtiges Anliegen ist. „Das Handbuch soll ein Bewusstsein für das Thema schaffen, es soll sensibilisieren und durch die Projektbeispiele inspirieren.“

Vor der Projektpräsentation durch Rudolf Müller, stellvertretender Vorsitzender der Kammergruppe Nordschwarzwald der Architektenkammer Baden-Württemberg, beglückwünschte Norbert Weiser, Dezernent im Landratsamt Calw, alle Projektbeteiligten im Namen des Landkreises Calw und überbrachte die besten Grüße des Calwer Landrats Helmut Riegger.

In der Vorstellung des Handbuchs gab Müller einen umfassenden Überblick über das Holzbau-Profil des Nordschwarzwalds, das durch Gestaltungsmerkmale wie Schindelfassaden, steile Satteldächer mit geringen Dachüberständen, Fensterläden in Ochsenblutrot oder Bau- und Konstruktionsmaterial aus heimischer Weißtanne und Fichte in Kombination mit Buntsandstein gekennzeichnet ist. Insgesamt haben sich in der Entwicklung des Handbuchs sieben signifikante und immer wiederkehrende Stilelemente herauskristallisiert, welche Bauherren, Architekten und Entscheidern als Inspirationen für ihre Bauprojekte auf den Weg gegeben werden können. Neben der Sanierung von historischen Baudenkmälern widmet sich das Handbuch auch dem neuen, modernen Bauen mit Weißtanne und heimischen Hölzern, welches Müller anhand von Ein- und Mehrfamilienhäusern sowie eines Hochhauses aus Holz bildlich veranschaulichte.

Die nachfolgende von Müller moderierte Talkrunde beschäftigte sich mit dem Thema „Beitrag der Kommunen zur Stärkung der Holzbaukultur als Spiegelbild einer regionalen Identität“. Es diskutierten Klaus Mack, Bürgermeister der Stadt Bad Wildbad, Michael Ruf, Bürgermeister der Gemeinde Baiersbronn, Andreas Grube, Vorsitzender des Kammerbezirks Karlsruhe der Architektenkammer Baden-Württemberg, Dorothea Weßling, Kreisbaumeisterin des Landkreises Calw, Roland Schöttle, Geschäftsführer des Naturparks Südschwarzwald und Initiator von bauWERK Schwarzwald sowie Jan Bulmer, Clustermanager von proHolz BW. Der rege Austausch zeigte, dass schon viel Gutes auf den Weg gebracht wurde, aber noch viel Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit in Bezug auf das Bauen mit Holz geleistet werden muss. Als positives Beispiel diente die Gemeinde Baiersbronn, die jährlich 50.000 Euro als kommunale Förderung bereitstellt. Auch Bad Wildbad denkt über eine kommunale Förderung nach und will das Thema künftig stärker besetzen. „Mit dem Thema Holzbaukultur sind wir keinesfalls auf dem Holzweg“, stellte Bürgermeister Mack am Ende klar.

Beim anschließenden Netzwerktreffen gab es die Möglichkeit ins Gespräch zu kommen, sich auszutauschen und von den Erfahrungen anderer zu profitieren, was bei den zahlreichen Teilnehmern großen Anklang fand.

Das druckfrische Handbuch war schnell vergriffen. Bestellt werden kann es bei Beate Lindenmeier von der Geschäftsstelle der LEADER-Aktionsgruppe Nordschwarzwald unter der Telefonnummer 07051 160-468 oder per E-Mail an Beate.Lindemeier@kreis-calw.de.