Faszinierende Welt der Zeichnungen - Ausstellung »Ortszeit« im Landratsamt eröffnet
Bleistiftlinien auf weißem Blatt? Weit gefehlt. Dass Zeichnungen spannend und vielfältig sein können, das stellt die elfte Ausstellung der „Ortszeit“-Reihe im Landratsamt Calw unter Beweis. Gezeigt werden ausgewählte Arbeiten eines Wettbewerbs, bei dem sich Künstler aus den Landkreisen Calw und Freudenstadt, dem Enzkreis und der Stadt Pforzheim beteiligt haben.
Im Rahmen der kürzlich abgehaltenen Vernissage verwies der Erste Landesbeamte Frank Wiehe auf das große kreative Potential in der Region Nordschwarzwald, das hier einmal mehr sichtbar werde. Dieses gelte es in der Zukunft weiter auszuschöpfen.
Die Kuratorin Tanja Solombrino vom Pforzheimer Kulturrat führte in die Ausstellung ein und stellte die Kunstwerke, insgesamt 65 Arbeiten von 26 Künstlerinnen und Künstlern, vor. Dabei wurde deutlich, dass das Motto des Wettbewerbs „Spektrum – Zeichnung“ sehr weit gefasst wurde. „Die ganze Bandbreite dessen, was heute Zeichnung ausmacht, ist hier zu sehen“, so Solombrino. Dieses Spektrum reicht vom stark farbigen Siebdruck mit Pop-Art-Anklängen nach einer Zeichnung von Michael Kriese, bis zu fotorealistischen Arbeiten von Jochen Oettling.
Die Schau ist auch eine Reise in die künstlerische Vielfalt der Region. So hat Muriel Shah aus Nagold in ihrer „Mood“-Reihe eine kleine Welt voller Figuren und Formen auf Zigarrenschachteln gepackt. Bei Stephanie Penner erstrecken sich die Linien und Zeichen über Becher und Gefäße, mittels Kupferdraht in Keramik gebrannt. Auch Bernd Hennig arbeitet mit Draht: In seinem Triptychon „Ich sehe dich“ bestehen die Linien zwischen den Figuren aus rostenden Drahtstücken – ebenso wie in seinem Bild „Ich sehe was, was du nicht siehst“.
Regionale Motive hat Ilona Trimbacher aus Calw aufgenommen, deren „Schwarzwälder Stricheleien“ in die Comic-Richtung gehen. Kraftvoll und energiegeladen wirken die Kohlezeichnungen „Aufstieg“ und „Tönender Baum“ von André Beutler aus Walddorf. Einen eigenen Akzent setzen die beiden „Ortszeit“-Preisträger: Die „Schriftzeichnungen“ von Sven Steinmetz (24) lassen staunen und rätseln. Ganz automatisch ist man versucht, die Buchstaben und Zeichen in einen logischen Zusammenhang zu bringen und sie zu lesen. Was dann mal mehr, mal weniger gelingt. Ganz anders Angela Amon (72): Mit ihren drei „Schraffuren“ genannten Arbeiten zeigt sie, dass man aus einfachen Bleistiftstrichen ein ganzes Universum entwickeln kann.
Die musikalische Gestaltung der Vernissage übernahm das Calwer Percussion-Ensemble „Jayantha Gomes & the Clan“ mit einem reichhaltigen Spektrum von Rhythmen und Klängen. Die Ausstellung im Foyer des Hauses A im Landratsamt Calw ist noch bis 5. Januar 2017 zu sehen. Die Öffnungszeiten sind montags bis mittwochs von 8 Uhr bis 17 Uhr, donnerstags von 8 Uhr bis 18.30 Uhr und freitags von 8 Uhr bis 12 Uhr.
