Heimat erlebbar machen – 50 Jahre Kreisarchiv Calw
„Wo Heimat zuhause ist“ – mit diesem Slogan macht der Landkreis Calw in der Öffentlichkeit auf sich aufmerksam. „Heimat“ hat heute wieder einen guten Klang. Heimatpflege ist eine der vielen Aufgaben des Kreisarchivs Calw. Und das schon seit 50 Jahren.
Die „Verhinderung der Vernichtung archivwürdiger Bestände“ war eines der Motive, weshalb Ende 1965 die Stelle eines Kreisarchivars geschaffen wurde. Damit war der Kreis Calw einer der ersten Landkreise im Südwesten. Erster Stelleninhaber war Ernst Busch. Er baute nicht nur das Kreisarchiv im Landratsamt auf, er widmete sich auch den Archiven der Kreisgemeinden, unter anderem mit der Gründung der einstigen „Arbeitsgemeinschaft für kommunale Archivpflege im Kreis Calw“, zu der auch etliche Bürgermeister gehörten.
Wenn sich auch der Beruf des Archivars seitdem stark gewandelt hat, eine Daueraufgabe bleibt die Erschließung und Pflege der Archivbestände – „und diese ist sehr zeitaufwändig“, so Kreisarchivar Martin Frieß, der seit 2009 beim Landratsamt Calw tätig ist. Er fühlt sich vor allem „als moderner Dienstleister mit kulturellem und historischem Profil, der nicht nur für das Landratsamt und die Kreiseinrichtungen, sondern auch für die Kommunen und alle Bürger da ist.“ Als eine öffentliche Einrichtung und als Informationszentrum für die Geschichte des Landkreises und seiner Kommunen hat das Kreisarchiv einen Bildungs- und Dokumentationsauftrag. Frieß gibt auch Bücher heraus, hat die Redaktion des Historischen Jahrbuchs für den Kreis Calw inne und wirkt als Autor an geschichtlichen Publikationen mit, hält Vorträge, gibt Kurse oder organisiert Exkursionen. „Wir haben hier eine wunderbare Kulturlandschaft, die ich mit meiner Arbeit erlebbar machen möchte“, so Frieß.
Vieles dreht sich bei seiner Arbeit um „Heimat“. Oft kommen Menschen ins Archiv, um sich mit ihren historischen Wurzeln beschäftigen – und das kann zu einem neuen Verständnis von „Heimat“ führen. Frieß ist beim Landratsamt auch Ansprechpartner für den aktuellen Heimatwettbewerb, der junge Menschen dazu bringen soll, sich auf verschiedene Weise mit dem Heimatthema auseinanderzusetzen. Er hat das Projekt „Erfassung der Kleindenkmale im Landkreis Calw“ geleitet, das von 2012 bis 2014 stattgefunden hat. Seine Durchführung war nur dank der erfreulich großen Anzahl und des Engagements der ehrenamtlich Mitwirkenden möglich. Geplant ist die Herausgabe eines Buches mit einer Auswahl der interessantesten Kleindenkmale.
Durch die Erweiterung des Landratsamts im Zuge der beiden Verwaltungsreformen von 1995 und 2005 hat sich der Zuständigkeitsbereich des Kreisarchivs vergrößert. Seit 2007 hat es einen eigenen Magazinraum mit Rollregalen im Landratsamt. „Wir bekommen laufend Zuwachs“, so der Archivar. Dabei werden nur etwa 5 Prozent der gesamten Unterlagen nach vorausgegangener Bewertung dauerhaft archiviert.
Längst ist die digitale Archivierung im Kreisarchiv angekommen. „Wir sind gerade dabei, eine Digitalisierungs-Offensive zu starten und planen, in 2016 eine größere Anzahl von Archivalien (Zeitungen, Protokolle, Bücher) ins Internet zu stellen. Die neuen Medien bieten für die Archive viele Möglichkeiten – und diese wollen wir verstärkt nutzen“, so Frieß. Letztlich sei die Archivarbeit identitätsstiftend und trage so zu einer „neuen Qualität von Heimat“ bei.
