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Landschaft Welle
13.09.2024

Kleinode im Süden des Landkreises

Kreisgeschichtsverein besuchte am „Tag des offenen Denkmals“ Ebhausen und Rohrdorf

Jedes Jahr am zweiten Sonntag im September bietet der von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz koordinierte „Tag des offenen Denkmals“ die Möglichkeit, Baudenkmale zu erkunden, die ansonsten für die Öffentlichkeit nicht oder nur eingeschränkt zugänglich sind. Wie immer haben auch heuer wieder das Kreisarchiv Calw und der Kreisgeschichtsverein Calw e.V. dieses Datum zum Anlass genommen, sich auf eine gemeinsame Exkursion zu bemerkenswerten Kunst- und Kulturdenkmalen im Landkreis Calw zu begeben.

Erstes Ziel der zahlreichen geschichtsinteressierten Teilnehmer war Ebhausen, wo die Gruppe vom KGV-Vorsitzenden Tobias Roller und von Kreisarchivar Kilian Spiethoff in Empfang genommen wurden. Anschließend begann das gut gefüllte Programm mit einer Besichtigung der Pension Waldhorn, die das Forum Ebhausen, vertreten durch die erste Vorsitzende Silvia Wacker und Beisitzerin Cornelia Hildebrandt-Büchler, in Verbindung mit Hauseigentümer Steffen Mast vorbereitet hatte. Gezeigt wurde dabei nicht nur der Eis- und Bierkeller des einstigen kulinarischen Zentrums des Nagoldtals, sondern auch der frühere Biergarten, in dem Anfang des 20. Jahrhunderts Johann Jakob Schill, am Berliner Hotel Adlon ausgebildeter Koch, köstliche Speisen servierte.

Nach dieser eindrucksvollen Station wanderte die Gruppe zurück in die Ortsmitte, wo sie am Rathaus von Bürgermeister Volker Schuler begrüßt wurde. Dieser ließ es sich nicht nehmen, den Gästen das mustergültig sanierte und erweiterte Rathaus, dessen Geschichte mindestens bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht, zu präsentieren. Besonderes Interesse erweckten dabei die noch im Original erhaltenen Holzbacköfen des früher auch als Backhaus genutzten Gebäudes.

Nur wenige Meter weiter warteten schon Mesnerin Edith Basalla-Olbrich, ihre Tochter Ann-Kathrin, Pfarrer David Gareis und Organist Gerhard Werner auf die Besucher, um ihnen das historisch bedeutendste Denkmal Ebhausens, die evangelische Pfarrkirche, vorzustellen. Neben der monumentalen Christusplastik von Rudolf Yelin d. J. und dem mittelalterlichen Kirchturm mit einer der ältesten noch aktiven Glocken Baden-Württembergs durften die Mitglieder des Geschichtsvereins auch eine Vorführung der Orgel erleben, bevor sie unter Glockengeläut in die Mittagspause verabschiedet wurden.

Diese wurde im historischen Gasthaus „Zum Joggel“ in Ebhausen-Wenden abgehalten – einem landwirtschaftlichen Gebäude aus dem frühen 19. Jahrhundert, das 2004 nach umfassender Sanierung als Gasthaus eröffnet wurde. Ortsvorsteher Immanuel Deuble und der frühere KGV-Vorsitzende Horst Roller gewährten den KGV-Mitgliedern hier spannende Einblicke in die Haus- und Ortsgeschichte.

Dass sich das Wetter nachmittags deutlich zu verschlechtern begann, konnte die Ausflügler nicht schrecken, da die beiden zum Abschluss geplanten Ziele in Rohrdorf regelrecht „unter einem Dach verschachtelt“ lagen. So führten zunächst die katholische Kirchenpflegerin Marita Pross und die evangelische Mesnerin Esther Harr durch die von beiden Konfessionen simultan genutzte Johanneskirche und den katholischen Gemeinderaum.

Nur wenige Meter weiter empfing dann Bürgermeister Joachim Flik die zum Ende des Tages noch einmal stark angewachsene Menge geschichtsinteressierter Besucherinnen und Besucher in der einstigen Johanniterkomturei, die seit 1991 das Rohrdorfer Rathaus beherbergt. Den Abschluss und Höhepunkt des erlebnisreichen Tages bildete dort die Besichtigung der 1987 durch Prof. Hans Dieter Ingenhoff (Tübingen) freigelegten, großflächigen Wandmalereien aus dem 16. Jahrhundert, die in ihrem Farbenreichtum und in ihrer Symbolik sicherlich eines der bedeutendsten Kunstwerke der Frühen Neuzeit im Landkreis Calw darstellen.

Kirche und Rathaus in Ebhausen

Bürgermeister Joachim Flik führt die Besucher durch die einstige Johanniterkomturei Rohrdorf

Bildquelle: Kilian Spiethoff, Landratsamt Calw