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Landschaft Welle
15.07.2025

Kreis Calw bietet jungen Menschen besonders gute Teilhabebedingungen

Laut einer bundesweiten Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung sowie der Wüstenrot Stiftung zu den Teilhabemöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen zählt der Landkreis Calw zu den „teilhabefreundlichen ländlichen Spitzenreitern“

Der im Mai 2025 veröffentlichte „Teilhabeatlas Kinder und Jugendliche“ bewertet die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Bereichen wie beispielsweise Bildung, Gesundheit, soziale Beziehungen und Beteiligung. Er zeigt auf, wie ungleich die Teilhabemöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen in Deutschland verteilt sind. Der Landkreis Calw hat bezüglich der Teilhabechancen auf dem Land positiv abgeschnitten.

Im Zuge der Studie wurden alle deutschen Stadt- und Landkreise anhand verschiedener Kriterien untersucht. Dabei kamen auch Faktoren zum Tragen, welche Hinweise auf die allgemeinen Lebensverhältnisse geben. Basierend auf neun Indikatoren für Teilhabe wurden die Kreise hinsichtlich ihres Abschneidens acht unterschiedlichen Gruppen („Cluster“) zugeordnet. Drei der Cluster beziehen sich auf die Teilhabemöglichkeiten in städtischen Regionen. Ländlich geprägte Regionen wurden hinsichtlich ihrer Teilhabemöglichkeiten in fünf Cluster untergliedert. Um neben der erhobenen Datenlage auch die subjektive Wahrnehmung der Lebenssituation berücksichtigen zu können, führte das Forschungsteam in acht Kreisen und kreisfreien Städten verteilt über das ganze Bundesgebiet (für jedes Cluster eine Region) persönliche Gespräche mit 222 jungen Menschen sowie 39 Fachkräften der Kinder- und Jugendarbeit.

Der Landkreis Calw hat es ins Cluster „Teilhabefreundliche ländliche Spitzenreiter“ geschafft. Hier seien dem Autorenteam der Studie zufolge die Bedingungen für Kinder- und Jugendteilhabe insgesamt am besten.

Der Begriff „teilhabefreundlich“ bezieht sich auf die Bemühungen, Kindern und Jugendlichen ein Aufwachsen in finanzieller Sicherheit, Handlungsspielräume und faire Teilhabe zu ermöglichen, unabhängig von ihrer Herkunft oder dem Wohnort. Dies umfasst beispielsweise Zugang zu Bildung, Kultur, Sport und anderen Angeboten, die ihre Entwicklung fördern. Ein „ländlicher Spitzenreiter“ ist ein Landkreis, der im Vergleich zu anderen ländlichen Regionen besonders gut abschneidet, was die Schaffung dieser Teilhabemöglichkeiten angeht. Dies kann beispielsweise durch ein vielfältiges Angebot an Freizeitaktivitäten, gezielte Förderprogramme für Kinder und Jugendliche oder eine gut ausgebaute Infrastruktur erreicht werden.

„Für Kinder und Jugendliche, die in diesen Regionen mit vergleichsweise hohem Anteil an jungen Menschen aufwachsen, scheint es besonders gut um die Bildung und Zukunftschancen zu stehen. Nirgendwo brechen weniger Jugendliche die Schule ab. Trotz der ländlicheren Prägung sind Schulen und Freizeitangebote im Vergleich zu anderen ländlichen Clustern (…) gut zu erreichen.“ (Quelle: Teilhabeatlas Kinder und Jugendliche S. 17)

Zusammengefasst zeichnen sich die allgemeinen Lebensverhältnisse hier gemäß der Studie im bundesweiten Vergleich durch eine geringe Sozialhilfe-Abhängigkeit, ein hohes Einkommen und ein mittleres bis hohes Steueraufkommen sowie eine hohe Lebenserwartung aus. Wie in vielen anderen ländlich geprägten Landkreisen seien die Themen Bevölkerungszuzug, ÖPNV-Anbindung, Ärzteversorgung, Breitband- und Nahversorgung anders zu bewerten als in den städtischen Regionen, dennoch stehe der Landkreis Calw hier im Vergleich zu Kreisen in anderen deutschen Regionen gut dar.

Besonders hervorzuheben seien die Faktoren Heimatverbundenheit, gesellschaftlicher Zusammenhalt (in Vereinen etc.), Nähe zur Natur sowie vergleichsweise bezahlbarer Wohnraum. Kinderarmut und Jugendarbeitslosigkeit seien niedrig, es gebe viele Ausbildungsplätze und nur wenige Jugendliche beenden die Schule ohne Abschluss.

„Das positive Abschneiden des Landkreises Calw im ‚Teilhabeatlas Kinder und Jugendliche‘ ist für uns ein wichtiges Feedback. Denn es bestätigt, dass unsere vielfältigen Bemühungen und die Investitionen in die Zukunft der jungen Menschen Früchte tragen“, so der Calwer Landrat Helmut Riegger. „Mein Dank gilt allen, die dazu beigetragen haben. Nur gemeinsam können wir ein so starkes Netzwerk knüpfen, das unsere jungen Menschen optimal fördert und unterstützt.“ Nun gelte es, diese Angebote trotz klammer Kassen weiterzuentwickeln und sicherzustellen, dass der Landkreis Calw auch in Zukunft ein Ort ist, an dem Kinder und Jugendliche optimale Bedingungen vorfinden, um aufzuwachsen sowie ihr Potenzial und ihre Talente zu entfalten.

Zu den deutlichsten Gesamtergebnissen der bundesweiten Studie zählen die wohnortabhängig sehr unterschiedlichen Möglichkeiten für junge Menschen, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben und – wie sich insbesondere aus den persönlichen Gesprächen ergeben hat – das Bedürfnis junger Menschen nach vielfältigen Freizeitmöglichkeiten (insb. öffentliche Aufenthaltsorte), mehr Selbstbestimmung (z.B. eigenständige Mobilität) sowie echter Mitsprache und Mitbestimmung auf Augenhöhe.

Die Erkenntnisse des Teilhabeatlasses können dazu dienen, gezielte Maßnahmen zur Förderung der Teilhabe von Kindern und Jugendlichen zu entwickeln und zu realisieren.

Auf der interaktiven Website www.teilhabeatlas.org sind die Ergebnisse – auch kreisbezogen – abrufbar. 

Zum Teilhabeatlas Kinder und Jugendliche

Ergänzende Informationen zur Studie:

401 Stadt- und Landkreise wurden hinsichtlich der 9 Indikatoren

  • Kinderarmut
  • Ausbildungsplätze pro 100 Nachfragerinnen
  • Jugendarbeitslosigkeit
  • Anteil der Bevölkerung unter 25 Jahren
  • Lebenserwartung
  • Anteil der Schulgänger ohne Abschluss
  • Betreuungsquote Vorschulkinder
  • Breitbandversorgung mind. 200 Mbit
  • Erreichbarkeitsindex

untersucht und – je nach Abschneiden – einem der 8 Cluster

Städtische Regionen:

  • Teilhabefreundliche städtische Regionen
  • Städtische Regionen mit einzelnen Teilhabehürden
  • Städtische Regionen mit teils hohen Teilhabehürden

Ländlich geprägte Regionen:

  • Teilhabefreundliche ländliche Spitzenreiter
  • Überwiegend ländliche Kreise mit guten Teilhabechancen
  • Überwiegend ländliche Kreise mit vereinzelten Teilhabehürden
  • Überwiegend ländliche Kreise mit Teilhabehürden
  • Überwiegend ländliche Kreise mit teils hohen Teilhabehürden

zugeordnet.

Quelle: Teilhabeatlas Kinder und Jugendliche S. 15.

Charakteristika des Clusters 4 „Teilhabefreundliche ländliche Spitzenreiter“ (u.a. LK CW) finden sich im Teilhabeatlas Kinder und Jugendliche S. 17.

Vergleich der Ergebnisse des Landkreises Calw mit dem Median aller 401 untersuchten Stadt- und Landkreise sowie mit dem Durchschnitt des betreffenden Clusters „Teilhabefreundliche ländliche Spitzenreiter“ (82 der 401 Landkreise und kreisfreien Städte)

Indikator Bundesweiter Median Cluster-Durchschnitt  LK Calw

Kinderarmut

9,07%

6,1%

5,54%

Ausbildungsplätze

pro 100 Nachfragende

110,23

113,1

120,95

Jugendarbeitslosigkeit

3,97%

2,5%

2,68%

Bevölkerung unter 25 Jahren

24,13%

24,9%

24,95%

Lebenserwartung

81,13

82,3%

82,16

Schulabgänger:innen ohne Abschluss

6,83%

5,5%

6,62%

Betreuungsquote Vorschulkinder

92%

92,1%

94%

Breitbandanteil mind. 200 Mbit/Sek

81,23%

80,9%

74,98%

Erreichbarkeitsindex

3,81

7,9

5,135

Tabelle: Landratsamt Calw.

Datenquelle: https://teilhabeatlas.org/zahlen