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Landschaft Welle
05.08.2026

Mehr Bewegung für Familien im Landkreis Calw

Kinderturnstiftung Baden-Württemberg und Landratsamt Calw verbinden die Einschulungsuntersuchung mit einer alltagsnahen Bewegungsberatung

Wie viel Bewegung braucht ein Kind? Wie lässt sich Bewegung einfach in den Familienalltag integrieren? Und wo gibt es passende Kinderturn- und Sportangebote? Antworten auf diese Fragen erhalten Familien im Landkreis Calw künftig im Rahmen der Einschulungsuntersuchung.

Mit Beginn des neuen Kita-Jahres im September 2026 starten die Kinderturnstiftung Baden-Württemberg und das Landratsamt Calw gemeinsam das Projekt „Familienpaket zur Bewegungsförderung“.

Das Familienpaket besteht aus mehreren Bausteinen. Dabei erhalten Kinder mit zusätzlichem Förder- oder Beratungsbedarf und ihre Eltern bei der ärztlichen Nachuntersuchung eine Beratung zu einem bewegungs- und gesundheitsfördernden Familienalltag sowie die Elterninformation „Bewegung geht immer und überall“ der Kinderturnstiftung Baden-Württemberg.

Durchgeführt werden die Beratungen von den Ärztinnen des Sachgebiets Einschulungsuntersuchung und Gesundheitsförderung des Landratsamtes Calw. Die Kinderturnstiftung Baden-Württemberg unterstützt das Projekt bei der Konzeption, Organisation und Finanzierung. Im Anschluss an die Beratung erhält jedes Kind ein „Bewegungspäckchen“ in Form eines Turnbeutels. Darin befinden sich:

  • ein vom Kind selbst ausgewähltes Bewegungsmaterial mit passenden Übungskärtchen,
  • ein Pixi-Buch über das Kinderturnen
  • sowie ein „Rezept für Bewegung“ mit dem Kontakt zu einem örtlichen Turn- oder Sportverein

„Auf diesem Weg möchten wir Kindern und Familien mehr Bewegung schenken und dabei bestehende Strukturen nutzen und miteinander vernetzen“, erklärt Gina Henz, Projekt- und Wirkungsmanagerin der Kinderturnstiftung Baden-Württemberg. „Wir erreichen die Familien dort, wo bereits ein persönlicher und vertrauensvoller Austausch stattfindet. Neben Informationen möchten wir ihnen vor allem konkrete erste Schritte mitgeben.“

Das Paket soll Familien dazu anregen, unmittelbar gemeinsam aktiv zu werden. Die Übungen benötigen wenig Platz, lassen sich einfach in den Alltag integrieren und machen Bewegung als gemeinsame Familienzeit erlebbar.

„Wir freuen uns sehr, dass wir diese Idee gemeinsam mit der Kinderturnstiftung Baden-Württemberg im Landkreis Calw umsetzen können“, sagt Dr. Kathrin Kaster, die stellvertretende Sachgebietsleitung Einschulungsuntersuchung und Gesundheitsförderung beim Landratsamt Calw. „Wir hätten nicht erwartet, dass sich unser Impuls aus dem Arbeitskreis Reha und Prävention der Kommunalen Gesundheits- und Pflegekonferenz an die Stiftung so erfolgreich weiterentwickelt.“

Vom Land Baden-Württemberg prämiert

Das Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit Baden-Württemberg hat das Projekt im Rahmen des Ideenwettbewerbs „Gemeinsam stark – Familienleben in Baden-Württemberg“ prämiert. Für die zweijährige Umsetzung vom 1. Juli 2026 bis zum 1. Juli 2028 erhält die Kinderturnstiftung Baden-Württemberg ein Preisgeld von 50.000 Euro. Rund 400 Familien sollen in diesem Zeitraum erreicht werden.

Das Projekt ist dem Themenfeld „Ausbalanciertes Familienleben“ zugeordnet und verbindet Gesundheitsförderung, Familienbildung und kommunale Vernetzung. „Eltern sind wichtige Bewegungsvorbilder für ihre Kinder“, sagt Gina Henz. „Wir möchten sie in dieser Rolle stärken, ihnen leicht umsetzbare Ideen an die Hand geben und den Zugang zu bestehenden Bewegungsangeboten erleichtern.“

Dabei richtet sich das Angebot insbesondere an Familien, deren Alltag bislang noch wenig Bewegung enthält oder die noch nicht an einen Turn- oder Sportverein angebunden sind. Eltern werden über die Bedeutung von Bewegung informiert und darin bestärkt, gemeinsam mit ihren Kindern aktiv zu werden. Für die Kinder entstehen so zusätzliche Möglichkeiten, ihre motorischen, sozialen und persönlichen Fähigkeiten zu entwickeln.

Durch vermehrte Bewegung im Alltag der Kinder können all diese Bereiche positiv unterstützt werden. Die Notwendigkeit des Förderbedarfs zeigt die aktuelle Auswertung der Einschulungsuntersuchungen im Landkreis Calw: Rund ein Viertel der Kinder weist Defizite in der Grobmotorik auf, in einzelnen Gemeinden sogar bis zu 35 %. Auch in der Sprachentwicklung und im Sozialverhalten sind die Zahlen besorgniserregend. Bei 38 % der Kinder wurde ein Förderbedarf im Bereich Sprache festgestellt, in Familien ohne Deutsch als Alltagssprache sogar bei 89 %. Zudem zeigten 30 % der Kinder während der Untersuchung Verhaltensauffälligkeiten. Mehr Bewegung im Alltag der Kinder kann die Entwicklung in all diesen Bereichen wirksam unterstützen.

Vereine und Kitas als wichtige Partner

Ein zentraler Baustein ist die Zusammenarbeit mit lokalen Turn- und Sportvereinen im Landkreis Calw, die Kinderturnen anbieten. Vereine mit diesem Angebot für Kinder im Alter von vier bis fünf Jahren werden in den kommenden Wochen über das Projekt informiert und zur Mitwirkung eingeladen.

Sie können ihre Angebote gezielt bei Familien bekannt machen, neue Kinder erreichen und sich als Partner der kommunalen Gesundheitsförderung einbringen. Im Oktober 2026 findet dazu eine digitale Informationsveranstaltung statt.

Ergänzend werden Kindertageseinrichtungen im Landkreis auf die kostenfreien „Inhouse-Fortbildungen zur Bewegungsförderung für Kita-Teams in Baden-Württemberg“ aufmerksam gemacht. Die Kinderturnstiftung führt diese im Auftrag des Kultusministeriums Baden-Württemberg und mit Unterstützung der Unfallkasse Baden-Württemberg, dem Badischen Turner-Bund e.V. und dem Schwäbischen Turnerbund e.V. durch. Module zur Elternarbeit tragen dazu bei, Familien auch über die Kitas zu erreichen.

Begleitet wird das Projekt durch die Social-Media-Kampagne „Bewegung geht immer und überall“. Auf den Kanälen der Kinderturnstiftung sowie über die kostenfreie „Kitu-App: Gemeinsam spielen und bewegen“ erhalten Eltern weitere Bewegungsimpulse, Hintergrundinformationen und praktische Alltagstipps.

So verbindet das Projekt die ärztliche Beratung mit dem Familienalltag, den örtlichen Turn- und Sportvereinen sowie den Kindertageseinrichtungen. Langfristig soll ein Netzwerk entstehen, das Familien frühzeitig erreicht und ihnen einen einfachen Zugang zu gesundheitsfördernder Bewegung ermöglicht.