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Landschaft Welle
22.05.2026

Jugendhilfeausschuss besucht wichtige Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe im Klinikum Nordschwarzwald in Calw-Hirsau

Der Jugendhilfeausschuss des Landkreises Calw hat zwei Einrichtungen am Standort des Klinikums Nordschwarzwald besucht und sich dabei ein umfassendes Bild von den dortigen Angeboten und Unterstützungsleistungen für Kinder und Jugendliche gemacht.

Zunächst informierte sich der Ausschuss über die Arbeit der Schule für Kranke am Zentrum für Psychiatrie Calw-Hirsau. Die Schule ist ein sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum und verfügt über insgesamt 24 Schulplätze. Beschult werden dort Kinder und Jugendliche, die zuvor an Regelschulen als nicht mehr beschulbar eingestuft wurden.

Die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses erhielten von der Schulleiterin Frau Schindele und Frau Ossmann Einblicke in die vielfältigen und anspruchsvollen Aufgabenstellungen der Klinikschule. Besonders beeindruckte die erfolgreiche Arbeit der Einrichtung bei der Reintegration vieler Kinder und Jugendlicher in das Regelschulsystem. Durch die individuelle Förderung und enge Begleitung gelingt es häufig, Schülerinnen und Schüler wieder an ihre ursprünglichen Schulen zurückzuführen.

Im Anschluss besuchte der Ausschuss den Verein für Psychoanalytische Sozialarbeit in Hirsau. Dieser unterhält seine Angebote im selben Gebäude wie die Klinikschule. Der Verein für Psychoanalytische Sozialarbeit Calw wurde im Jahr 2019 eröffnet. Ein vergleichbares Modell mit Vereinsstruktur gibt es bereits im Raum Tübingen/Rottenburg.

Im Anschluss an die Vereinsgründung wurden am Standort Calw zwei stationäre Jugendhilfe-Wohngruppen aufgebaut mit jeweils sieben Plätzen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von sieben bis einundzwanzig Jahren. Die Belegung der Wohngruppen erfolgt durch Jugendämter aus dem gesamten Bundesgebiet. Dies auch deshalb, weil es sich um ein sozialtherapeutisches Angebot mit intensivem Bindungsaufbau handelt.

Frau Schnaible und Herr Wolfangel, als Teil der Geschäftsführung des Vereins, berichteten über die Konzeption sowie die Herausforderungen, Kinder und Jugendliche aufzunehmen und zu stabilisieren, nachdem diese zuvor an anderen Orten mehrfach ausgeschlossen worden waren. Mittels wöchentlicher Supervision werden therapeutische Haltungen gemeinsam mit allen Mitarbeitenden entwickelt und gefestigt.

Im Alltag gelingt es dann, insbesondere die ersten sechs Monate – in denen üblicherweise die meisten Probleme und Herausforderungen entstehen – gemeinsam zu bewältigen. Die Erfahrung zeigt, dass sich die Kinder und Jugendlichen anschließend zunehmend an den Rahmen gewöhnen, Halt und Sicherheit empfinden und der Übergang in geordnete Tagesstrukturen und Abläufe möglich wird. Die Verweildauer auf den Wohngruppen ist dabei in der Regel auf mehrere Jahre ausgelegt, sodass eine kontinuierliche Begleitung in die größtmögliche Verselbstständigung gesellschaftliche Teilhabe stattfinden kann.

In der angeschlossenen Schule können diese Kinder individuell beschult werden. Ergänzend dazu wurden ambulante Angebote für Kinder entwickelt, insbesondere für ambulante Kinder und Jugendliche aus den Landkreisen Calw und Böblingen. Herr Pfeiffer vom Landratsamt Calw machte deutlich, dass auch diese ambulanten Kinder und Jugendlichen nachhaltige Ausschlüsse aus schulischen und sozialen Systemen erlebt haben. Diese Kinder und Jugendlichen können daher in gleichem Maße von den therapeutischen Angeboten profitieren wie jene Kinder, die vollstationär untergebracht sind.

Abschließend berichteten die beiden Geschäftsführer noch von der besonderen Vereinsstruktur. Diese beinhaltet insgesamt vier Vorstände, von denen zwei an der täglichen Arbeit im Verein mitwirken. Alle Entscheidungen – auch über die Aufnahme eines Kindes – werden gemeinsam von allen Mitarbeitenden getroffen. Nur so sei es möglich, die sich anschließenden Krisenzeiten gemeinsam auszuhalten und immer wieder nach positiven Lösungen zu ringen.

Die Mitglieder des Ausschusses zeigten sich sehr beeindruckt von der Tiefe und Intensität dieser Arbeit. In zahlreichen Rückfragen entwickelte sich ein intensiver und inhaltlich anspruchsvoller Austausch zu diesem Thema.

Auch hier zeigte sich der Ausschuss beeindruckt von den positiven Entwicklungen vieler betreuter Kinder und Jugendlicher. Ziel der Angebote ist es, eine Rückkehr in die Regelsysteme wie Schule, Vereine und soziale Freundeskreise zu ermöglichen – ein Ziel, das in zahlreichen Fällen bereits erfolgreich erreicht werden konnte.

Insgesamt zeigte sich der Jugendhilfeausschuss sehr beeindruckt von den vielfältigen und eng aufeinander abgestimmten Angeboten am Standort Calw-Hirsau.

Dieses Beispiel zeigt, wie die ehemals von der Kinder- und Jugendpsychiatrie genutzten Räume nach deren Umzug im Jahr 2016 inzwischen einer neuen Bestimmung zugeführt werden konnten. Es wurde eine Arbeit aufgebaut, die nicht nur sinnvoll ist, sondern auch eine hohe gesellschaftliche Bedeutung besitzt. Verloren geglaubte Kinder und Jugendliche erhalten hier einen neuen therapeutischen Rahmen, der sie befähigen soll, wieder Anschluss an die Gesellschaft zu finden. Kreisrat Erich Grieshaber sagte bei Beendigung der Veranstaltung, dass er eigentlich sicher war „die meisten sozialen Angebote im Landkreis Calw zu kennen“. Er hätte jedoch nicht gedacht, dass sich auf dem Gelände des Klinikum Nordschwarzwald ein solch wertvolles Angebot entwickelt und etabliert hat.