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Landschaft Welle
28.05.2026

Rinder und Ziegen zurück im Gechinger Masenwald

Zwischen den Buchen und Eichen im Masenwald lassen sich seit vergangener Woche wieder Weidetiere entdecken. Diese leisten dabei wertvolle Arbeit für strukturreiche Lebensräume.

Wo Rinder und Ziegen im Wald grasen, entstehen lichte Waldstrukturen mit einem abwechslungsreichen Mosaik aus Grasflächen, Sträuchern und alten Bäumen. Durch ihr Fraß- und Trittverhalten verhindern die Tiere eine Verbuschung, halten die Flächen offen und schaffen dadurch strukturreiche Lebensräume. Genau diese Vielfalt ist entscheidend für zahlreiche Insektenarten und damit auch für Fledermäuse, die auf ein reiches Nahrungsangebot angewiesen sind.

„Was früher selbstverständlich war, wird heute für den Naturschutz wiederentdeckt“ berichtet Constanze Heck, Waldweidemanagerin und Mitarbeiterin beim Landschaftserhaltungsverband. Durch die gezielte Beweidung von Wäldern lassen sich Artenvielfalt und ökologische Nischen fördern. „Während Tiere früher vor allem zur Nahrungssuche in den Wald getrieben wurden, werden Waldweiden heute unter kontrollierten Bedingungen gezielt zum Schutz besonderer Tier- und Pflanzenarten angelegt“.

Auf der Waldweide in Gechingen spielt insbesondere die Fledermaus eine wichtige Rolle. Die Fläche ist eine zentrale Maßnahme zur Unterstützung lokaler Fledermauspopulationen im Umfeld der Bahnstrecke im Rahmen der Inbetriebnahme der Hermann-Hesse-Bahn. Nahezu alle heimischen Fledermausarten nutzen Wälder als Jagdhabitat oder ziehen ihre Jungtiere in Baumhöhlen alter Bäume auf. Einige Arten überwintern sogar dort. Die Bewirtschaftung und die Struktur von Wäldern haben daher einen großen Einfluss auf ihren Lebensraum.

Seit vergangener Woche weiden auf der rund 8,5 ha großen Fläche wieder acht Rinder der Rasse Limousin der Familie Böttinger vom Gechinger Waldhof sowie 10 Ziegen mit Ziegenbock Gustavo der Familie Esslinger aus Dachtel.

Begleitend zur Maßnahme wird seit Beginn der Waldweide im Jahr 2024 ein Fledermausmonitoring durchgeführt. Dabei kommen akustische Erfassungsgeräte zum Einsatz, die die Ultraschallrufe der Tiere aufzeichnen. So kann die Entwicklung der Fledermauspopulation erfasst und ausgewertet werden.

Ergänzend dazu befasst sich in diesem Jahr eine Studentin der Hochschule Rottenburg im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit mit dem Insektenaufkommen auf der Waldweide und dessen Bedeutung für das dortige Fledermausvorkommen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse fließen zugleich in die Weiterentwicklung des Projekts ein, sodass mit der Waldweide in Gechingen ein besonderer Lebensraum geschaffen wird, von dem zahlreiche Arten langfristig profitieren können.

Die enge Zusammenarbeit zwischen dem Zweckverband Hermann-Hesse-Bahn als Maßnahmenträger, dem Landschaftserhaltungsverband Calw e. V. als koordinierende und betreuende Stelle sowie die wissenschaftliche Begleitung und das Engagement der Beweider bildet dabei die Grundlage für die erfolgreiche Umsetzung des Projekts.