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Landschaft Welle
14.10.2026

Nachhaltige Mobilität der KEA-BW

Landkreis Calw kommt bei nachhaltiger Mobilität voran: Analyse der KEA-BW bestätigt positive Entwicklungen und zeigt zugleich wo weitere Anstrengungen notwendig sind

Klimaschutz und eine nachhaltige Entwicklung haben für den Landkreis Calw einen hohen Stellenwert. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Verkehrsbereich zu: Gerade in einem ländlich geprägten Landkreis müssen Klimaschutz, gute Erreichbarkeit und die individuellen Mobilitätsbedürfnisse der Menschen gemeinsam gedacht werden.

Wie groß der Handlungsbedarf im Verkehrssektor weiterhin ist, zeigen die aktuellen Emissionsdaten. Nach Angaben des Umweltbundesamtes entfielen im Jahr 2024 rund 22,3 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen auf den Verkehr. Während die Emissionen in vielen anderen Bereichen seit 1990 deutlich zurückgegangen sind, wurden im Verkehrssektor bislang vergleichsweise geringe Fortschritte erzielt.

Auch die außergewöhnliche Hitzewelle Ende Juni hat gezeigt, wie wichtig neben der Reduzierung der Treibhausgasemissionen die Anpassung an die Folgen des Klimawandels ist. Mobilitätsinfrastruktur muss künftig nicht nur klimafreundlicher, sondern auch widerstandsfähiger gegenüber Hitze, Starkregen und anderen Extremwetterereignissen geplant werden. Dazu gehören beispielsweise schattige und begrünte Haltestellen, sowie hitzeresistente Straßen- und Radverkehrsinfrastruktur.

Statusbericht ermöglicht Vergleich der Landkreise

Eine wichtige Grundlage für die Einordnung der bisherigen Bemühungen im Mobilitätsbereich liefert der aktualisierte Statusbericht Nachhaltige Mobilität der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg. Anhand von 15 Indikatoren analysiert die Landesenergieagentur unter anderem das ÖPNV-Angebot, den Fuß- und Radverkehr, die Verbreitung der Elektromobilität, die Ladeinfrastruktur, das Carsharing und den Güterverkehr.

Der Landkreis Calw schneidet im Vergleich mit anderen ländlichen Regionen insbesondere beim Carsharing-Angebot sehr gut ab.

246 öffentliche Ladepunkte im Landkreis Calw – nahezu flächendeckende Infrastruktur in den Gemeinden

Elektromobilität wird im Landkreis Calw zunehmend alltagstauglich. Die deer GmbH, Anbieter von E-Carsharing und Ladeinfrastruktur, verfügt mittlerweile über 246 öffentliche Ladepunkte im Landkreis Calw. Damit ist die Ladeinfrastruktur des Unternehmens in nahezu jeder Gemeinde des Landkreises vertreten.

Besonders dicht ist das Netz in der Stadt Calw selbst. Neben mehreren Standorten in der Kernstadt stehen Ladepunkte auch in den Parkhäusern zur Verfügung. Ausgehend vom Calwer Zentrum hat deer sein Angebot kontinuierlich in die umliegenden Teilorte und Gemeinden erweitert. So ist über die Jahre ein engmaschiges regionales Netz entstanden, das sowohl deer Carsharing-Kundinnen und -Kunden als auch Ladekundinnen und -kunden zur Verfügung steht.

„Unsere regionale Verbundenheit ist ein wichtiger Bestandteil der Marke deer. Wir sind in Calw gestartet und haben unser Angebot von hier aus Schritt für Schritt in die Region getragen. Dass wir heute in nahezu jeder Gemeinde des Landkreises mit Ladeinfrastruktur vertreten sind, zeigt, wie stark wir mit der Region verbunden sind“, sagt Stork, Eileen Marketing Managerin bei der deer GmbH.

Eine Übersicht über die bestehenden und aktuell technisch in Umsetzung befindlichen Standorte bietet die deer Standortkarte. Bei den dort aufgeführten Ladepunkten handelt es sich gleichzeitig um Carsharing-Standorte. So können Nutzerinnen und Nutzer direkt nachvollziehen, wo bereits Lade- und Mobilitätsangebote verfügbar sind und wo das Netz weiter ausgebaut wird.

Verbesserungen bei öffentlichem Nahverkehr und Radverkehr

Auch beim Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs wurden im Landkreis Calw wichtige Fortschritte erzielt. Der Statusbericht betrachtet unter anderem die Zahl der ÖPNV-Abfahrten, die Erreichbarkeit von Haltestellen und den Umfang des Angebots am Wochenende. Seit 2020 haben sich die Abfahrten im ÖPNV an Werktagen um 25 Prozent gesteigert. Insgesamt liegt der Landkreis Calw damit beim Wert des Landesdurchschnitts. Für einen ländlichen Landkreis ein guter Wert.

Mit der Inbetriebnahme der Hermann-Hesse-Bahn und dem darauf abgestimmten Buskonzept Nordost geht der Landkreis einen weiteren wichtigen Schritt. Neue und ausgeweitete Buslinien schaffen seit August eine verlässliche Verknüpfung zwischen Bus und Bahn. Gemeinden ohne eigenen Bahnanschluss erhalten so einen Zugang zum Schienennetz. Parallel arbeitet der Landkreis an der Fortschreibung des Nahverkehrsplans, um das ÖPNV-Angebot langfristig weiterzuentwickeln und verlässliche Reiseketten zu schaffen.

Auch der Radverkehr bleibt ein wichtiger Baustein. Die Rekordbeteiligung am diesjährigen STADTRADELN zeigt, dass viele Bürgerinnen und Bürger bereit sind, Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen. Mit der Fortschreibung des Radverkehrskonzepts sollen bestehende Lücken und Schwachstellen im Radwegenetz systematisch untersucht und priorisiert werden. Landesweit ist die mit dem Fahrrad zurückgelegte Verkehrsleistung zwischen 2018 und 2023 nach Auswertung der KEA-BW deutlich gestiegen.

Elektrifizierung des Güterverkehrs steht noch am Anfang

Großer Handlungsbedarf besteht weiterhin beim Güterverkehr. In Baden-Württemberg waren zum 1. Januar 2025 insgesamt 7.416 batterieelektrische Lastkraftwagen zugelassen. Ein Jahr zuvor waren es 6.362. Trotz des deutlichen Wachstums entspricht dies erst rund 1,6 Prozent des gesamten Lkw-Bestandes im Land. Bei schweren Fahrzeugen ist der Anteil noch geringer. Die KEA-BW weist darauf hin, dass neben der Umstellung der Fahrzeuge insbesondere der Aufbau einer geeigneten Ladeinfrastruktur auf Betriebshöfen und an öffentlich zugänglichen Standorten notwendig ist.

Weitere Anstrengungen bleiben erforderlich

Der Statusbericht macht deutlich, dass trotz der positiven Entwicklungen weitere Anstrengungen notwendig sind. Dies betrifft im Landkreis Calw unter anderem den Ausbau öffentlicher Ladeinfrastruktur sowie den Rad-, Fuß- und öffentlichen Verkehr.

Der Landkreis arbeitet deshalb gleichzeitig an mehreren Konzepten: Neben der Fortschreibung des Nahverkehrs- und des Radverkehrskonzepts zählen dazu die Einführung einer kreisweiten Mitfahrplattform, die Inbetriebnahme der Hermann-Hesse-Bahn und des darauf abgestimmten Busnetzes sowie die Unterstützung der Städte und Gemeinden beim Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur. Aber auch die Bevölkerung wird bei diesem Wandel mitgenommen. So werden bereits erste öffentliche Ladepunkte von demokratisch organisierten Bürgerenergiegenossenschaften in Wildberg und Nagold betrieben und es sollen noch weitere folgen.

„Klimaschutz ist ein Marathon und kein Sprint. Das gilt ganz besonders im Verkehrsbereich, in dem Veränderungen von Infrastruktur und Mobilitätsverhalten Zeit benötigen“, betont der Koordinator für Mobilität und Klimaschutz des Landkreises Calw Simon Nugel. „Der Statusbericht zeigt, dass wir an vielen Stellen bereits auf einem guten Weg sind. Er macht aber ebenso deutlich, dass wir nicht nachlassen dürfen. Auch in Zeiten äußerst angespannter öffentlicher Haushalte bleibt Klimaschutz eine zentrale Zukunftsaufgabe. Umso wichtiger ist es, Fördermöglichkeiten zu nutzen, bestehende Angebote miteinander zu verknüpfen und mit kreativen Lösungen weiter aktiv zu bleiben.“

Der Statusbericht Nachhaltige Mobilität der KEA-BW ist unter www.kea-bw.de/statusbericht-nachhaltige-mobilitaet abrufbar. Ergänzend stellt die KEA-BW in ihrem Wissensportal regelmäßig gute kommunale Praxisbeispiele vor. Seit Kurzem ist dort auch der Landkreis Calw mit einem eigenen Beitrag vertreten: www.kea-bw.de/nachhaltige-mobilitaet/wissensportal/best-practice/gutes-beispiel-lk-calw.